Natur nutzen und schützen - Konzepte im ökologischen Waldumbau

 

Wald-Rundgang bei Westernohe mit Johannes Römpler - Leiter Forstrevier Rennerod am 13. August 2025.

  

am Mittwoch, den 13.08.2025 waren wir auf dem Wanderparkplatz Funkenhahn oberhalb von Rennerod zusammengekommen. Es war wieder ein heißer Sommertag, dennoch kamen an diesem Abend 27 naturinteressierte Bürger zum Wald-Rundgang mit dem Revierförster.

Foto: Frank Ebendorff
Foto: Frank Ebendorff

Unser erster Halt ist in einer gut 40-jährigen Fichtenkultur. In lichten

Randbereichen wurden junge Weißtannen gesetzt. Revierförster Römpler erklärt, in den Höhen des Westerwalds war die Landschaft früher eher von Offenland geprägt. Die meisten Wälder hier sind vergleichsweise jung, angepflanzt auf ehemaligen Gemeindeviehweiden, für die es keine Verwendung mehr gab. Der Basaltboden ist mineralreich, fruchtbar, jedoch für Wurzeln schwer zu durchdringen. Im Vergleich zum südlichen Rheinland-Pfalz, wo auch größere Laubwaldbereiche vertrocknen, hat der Wald hier bei reicheren Niederschlägen und schweren Böden gute Chancen sich wieder zu regenerieren. Nach anhaltenden Dürresommern sind vor 5 Jahren weite Teile der Fichtenforste dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen. Ein neuer gemischter vielfältiger Wald soll aufgebaut werden der Klimawandel und neuartigen Schädlingen widerstehen kann.

Zur Nutzung von Holz gibt es unterschiedliche Meinungen. Langlebige Produkte aus Holz binden über längere Zeit CO2 und dienen damit dem Klimaschutz. Besser einheimisches Holz aus zertifiziertem Anbau als zweifelhafte Importe aus fernen Ländern. Da sind sich die meisten Naturschützer schon einig mit dem Förster.

Foto: Frank Ebendorff
Foto: Frank Ebendorff

Am Wegkreuz bleiben wir stehen mit Blick auf eine Freifläche, auf der vor einigen Jahren noch Fichten dicht an dicht standen.

Heute wächst hier eine vielfältige Mischung aus Sträuchern und kleinen Bäumen.

Pioniergehölze und zahlreiche Blütenpflanzen nutzen die freigewordenen Flächen und den Humus aus abgestorbenen Nadelhölzern.

 

Foto: Frank Ebendorff
Foto: Frank Ebendorff

Revierförster Johannes Römpler erklärt uns die Neuanpflanzungen. Je nach Standort werden verschiedene Laubhölzer gesetzt, hinzu kommen beständigere Nadelhölzer wie die Weißtanne. Längere Trockenphasen, Starkregen, neue Insektenarten und Pilze, teils eingeschleppt, teils auf Grund milder Winter eingewandert, stellen zukünftige Wälder vor viele Herausforderungen. Bewusst wird auf einen Mischwald gesetzt. 

Foto: Frank Ebendorff
Foto: Frank Ebendorff

Erlen als schnellwachsende Gehölze auf feuchtem Grund bilden Schutzschirme und sorgen für ein ausgeglicheneres

Waldinnenklima. In ihrem Schatten können anspruchsvollere und wertgebende Baumarten heranwachsen: Eiche, Ahorn und die einheimischen wärmeliebenden Arten Elsbeere und Speierling.

Foto: Frank Ebendorff
Foto: Frank Ebendorff

Auf die Nachfrage eines Zuhörers, woher der Förster denn weiß, welcher Baum wo gedeiht, holt Johannes Römpler Waldkarten hervor und erklärt, dass Bereiche mit verschiedenen Bodenarten- und Bodenfeuchte kartiert worden sind. Die Auswahl der zu pflanzenden Bäume liegt schon beim Förster, basiert aber auf 

wissenschaftlichen Untersuchungen.

Foto: Frank Ebendorff
Foto: Frank Ebendorff

Wir gehen weiter eine Anhöhe hinauf, wo der abgestorbene Fichtenwald komplett stehen geblieben ist. Das ist kein toter Hügel, üppiges Grün und bunte

Beerensträucher stehen im Kontrast zu den hochaufragenden Nadelholzgerippen, die in der Abendsonne silbrig glänzen.

 

Foto: Frank Ebendorff
Foto: Frank Ebendorff

Wir mussten da schon kurz nach dem Fichtensterben hinein, um junge Laubbäume und Weißtannen zu pflanzen. Jetzt wäre es viel zu gefährlich auf dieser Fläche zu arbeiten, erklärt Revierleiter Römpler.

Foto: Frank Ebendorff
Foto: Frank Ebendorff

Auf dem Rückweg gehen wir mitten durch die große Freifläche, wo einst dichter Nadelwald stand. Hier blüht auch im August noch so einiges: Fuchs-Greiskraut,

Kratzdisteln und Ackerminze, die besonders durch ihren starken Duft auf sich aufmerksam macht. Fragen zu Nachhaltigkeit und Zertifizierung werden diskutiert.

Johannes Römpler betont die Bedeutung von Totholzinseln. Sind diese in entsprechender Anzahl und Dichte vorhanden, kann auch Nutzwald einen

Beitrag zur Artenvielfalt leisten.

Foto: Frank Ebendorff
Foto: Frank Ebendorff

Im Plan war noch, den alten Buchenwald gegenüber zu besichtigen als Zielvorstellung des Revierleiters für mögliche zukünftige Wälder. Das haben wir zeitlich nicht mehr geschafft, weil von Naturinteressierten viele Fragen vorgebracht wurden, die Johannes Römpler fachkundig und ausführlich beantwortete. Dann müssen wir uns den alten Wald beim nächsten Mal ansehen, auf jeden Fall aber ist das rege Interesse an Wald und Natur positiv und wichtig, meinen dazu die Naturfreunde vom NABU Rennerod.

Auf dem Weg hinunter zum Waldparkplatz konnten wir noch bei dem einen oder anderen Gespräch in angenehmer Abendkühle den Sonnenuntergang über der Stadt Rennerod sehen.